Sonderbericht Leuchtturm - Oberfeuer Eversand

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Niedersachsen - Nachrichten
Leuchtturm geht auf Reise

Genau 117 Jahre lang stand er zwölf Kilometer vor Bremerhaven im Meer. Jetzt tritt das Oberfeuer Eversand eine ungewöhnliche Reise an:

 Der 34 Meter hohe Leuchtturm wird von der Außenweser ans Festland nach Dorum-Neufeld im Kreis Cuxhaven versetzt. Gestern haben Spezialisten bei dichtem Nebel damit begonnen, das Bauwerk mit Hilfsstützen zu sichern und die Befestigungen knapp oberhalb des Wattbodens zu durchtrennen.

Bis zum Wochenende muss der 113 Tonnen schwere Koloss aus genietetem Stahl auf Schwimmpontons abgesenkt und anschließend von Schleppern langsam zu seinem neuen Standort gezogen werden. Dort soll das alte Oberfeuer Touristen anlocken: Nach dem Aufstieg in luftige Höhe bekommen sie den Überblick über die grandiose Wattenmeerlandschaft. In den ehemaligen Wohnräumen der Leuchtturmwärter ist eine Ausstellung „Die Bedeutung des Wattenmeeres für den internationalen Vogelzug“ geplant. Spätestens zum Ende des Jahres werden die Umbauarbeiten abgeschlossen sein, kündigte gestern ein Sprecher der Nationalpark-Verwaltung Niedersächsisches Wattenmeer an.

Einen Großteil der Umsetzungskosten von rund 1,8 Millionen Euro übernimmt Bremen. Das Land finanziert damit Ausgleichsmaßnahmen für frühere Umweltsünden: Bis Mitte der neunziger Jahre hatte der Stadtstaat zum Teil giftigen Hafenschlick im Wurster Arm verklappt, einem Nebenfahrwasser der Weser.

Als Leuchtturm diente Eversand schon lange nicht mehr. Bereits 1924 wurde sein Licht gelöscht, nachdem die Schifffahrtsroute umgeleitet worden war. Zuletzt hatte der Turm buchstäblich einen schweren Stand:  Im Winter 1994 wurde die Unterkonstruktion durch Eisgang schwer beschädigt. Schon 1982 war das Oberfeuer mit Paletten und Kartoffelkörben zum Nistplatz für Kormorane umgebaut worden. Die Vögel nahmen den ehemals schwarzen Turm so gut an, dass er heute durch die Ausscheidungen nahezu weiß ist. Vor der Verschrottung wurde er nur bewahrt, weil er noch bis zum Jahr 2000 in Seekarten als „Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige“ verzeichnet war.


Stephan von Kolson

Veröffentlicht 27.02.2003 20:29 Uhr