Der 34 Meter
hohe Leuchtturm wird von der Außenweser ans Festland nach Dorum-Neufeld
im Kreis Cuxhaven versetzt. Gestern haben Spezialisten bei dichtem
Nebel damit begonnen, das Bauwerk mit Hilfsstützen zu sichern und
die Befestigungen knapp oberhalb des Wattbodens zu durchtrennen.
Bis zum Wochenende muss der 113 Tonnen schwere Koloss aus genietetem
Stahl auf Schwimmpontons abgesenkt und anschließend von Schleppern
langsam zu seinem neuen Standort gezogen werden. Dort soll das alte
Oberfeuer Touristen anlocken: Nach dem Aufstieg in luftige Höhe bekommen
sie den Überblick über die grandiose Wattenmeerlandschaft. In den
ehemaligen Wohnräumen der Leuchtturmwärter ist eine Ausstellung „Die
Bedeutung des Wattenmeeres für den internationalen Vogelzug“
geplant. Spätestens zum Ende des Jahres werden die Umbauarbeiten abgeschlossen
sein, kündigte gestern ein Sprecher der Nationalpark-Verwaltung Niedersächsisches
Wattenmeer an.
Einen Großteil der Umsetzungskosten von rund 1,8 Millionen Euro übernimmt
Bremen. Das Land finanziert damit Ausgleichsmaßnahmen für frühere
Umweltsünden: Bis Mitte der neunziger Jahre hatte der Stadtstaat zum
Teil giftigen Hafenschlick im Wurster Arm verklappt, einem Nebenfahrwasser
der Weser.
Als Leuchtturm diente Eversand schon lange nicht mehr. Bereits 1924
wurde sein Licht gelöscht, nachdem die Schifffahrtsroute umgeleitet
worden war. Zuletzt hatte der Turm buchstäblich einen schweren Stand:
Im Winter 1994 wurde die Unterkonstruktion durch Eisgang schwer beschädigt.
Schon 1982 war das Oberfeuer mit Paletten und Kartoffelkörben zum
Nistplatz für Kormorane umgebaut worden. Die Vögel nahmen den ehemals
schwarzen Turm so gut an, dass er heute durch die Ausscheidungen nahezu
weiß ist. Vor der Verschrottung wurde er nur bewahrt, weil er noch
bis zum Jahr 2000 in Seekarten als „Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige“
verzeichnet war.
