Sonderbericht Leuchtturm - Oberfeuer Eversand

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Ein Bremer Leuchtturm geht auf Reise durchs Watt

Leuchtturm Oberfeuer Eversand in der Außenweser

Sturmfest trotzte er vielen Winden, an seinen stählernen Füßen kratzten sich Seehunde, und die pechschwarze Farbe wurde immer wieder vom Kot brütender Kormorane verziert: Der Leuchtturm Oberfeuer Eversand in der Außenweser hat tausenden von Seeleuten den Weg hinaus auf die Nordsee gewiesen. Jetzt sind seine letzten Tage dort gezählt. Das maritime Denkmal tritt eine ungewöhnliche Reise an und wird in einer aufwändigen Aktion ans Festland nach Dorum-Neufeld (Kreis Cuxhaven) versetzt.

Am Donnerstag war es soweit: Die Witterung war verhältnismäßig milde und das Eis, das den Umzug immer wieder verzögert hatte, abgetaut. Die Spezialschiffe machten sich schon am Mittwoch auf den Weg, um ihr Werk anzupacken.

Die vier Metallfüße des Turms sind schon „abgeschnitten". Nach dem Absenken auf Schwimmpontons ziehen jetzt Schlepper die rund 100 Tonnen schwere Konstruktion aus genietetem Stahl zum neuen Standort. Nur wenige Kilometer von der alten Position entfernt soll das alte Oberfeuer Touristen anlocken: Nach dem Aufstieg in luftiger Höhe bekommen sie den Überblick über die grandiose Wattenmeerlandschaft. Der Umzug wird jetzt einige Tage dauern.

Einen Großteil der Umsetzungskosten von rund 1,8 Millionen Euro übernimmt Bremen. Das Land finanziert damit Ausgleichsmaßnahmen: Bis Mitte der 90er Jahre hatte Bremen ausgebaggerten und zum Teil giftigen Hafenschlick im Wurster Arm, einem Nebenfahrwasser der Weser, verklappt.

Nicht so legendär wie der berühmte Leuchtturm Roter Sand in der Nordsee, nicht so pittoresk wie der aus dem Blödel-Film von Komiker Otto bekannt gewordene Leuchtturm bei Pilsum in Ostfriesland: Das Oberfeuer Eversand stand stets abseits der Touristenkameras. Vom Festland war er nur als schmaler, dunkler Strich zu sehen. Im Jahr 1886 hatte die später in Konkurs gegangene Bremer Werft AG Weser den Turm gebaut. Seit 1905 strahlte sein modernes Petroleumglühlicht über 20 Kilometer in die Dunkelheit. Bei Nebel gaben zwei Männer der Turmbesatzung mit einer Glocke Schallsignale. Dazu machte ein Seekabel die Übermittlung von Meldungen ins Telegrafennetz möglich.

Doch mit den steten Veränderungen von Sänden und Strömungen an der Küste kam bereits 1923 das Aus. Das Hauptfahrwasser der Weser wurde verlegt, im jetzt bedeutungslosen Turm wurde das Feuer gelöscht. Gelegentlich nutzten noch Segler die Wohnstube der Leuchtturmwärter als Wochenendziel: Bis zum Jahr 2000 war das Oberfeuer in amtlichen Seekarten als „Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige" verzeichnet. Wegen dieser Funktion wurde er immer wieder vor dem Abriss gerettet.

„Zu schade zum Verschrotten", findet auch Klaus Wonneberger von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven. Viele Wassersportler an der Küste zweifeln dagegen am Sinn der teuren Versetzungsaktion. Kommentar eines Seglers: „Ein Leuchtturm gehört auf See und nicht an Land."

In Dorum wird der alte Leuchtturm aus Bremen schon in der Sommersaison eine neue Touristenattraktion werden: Er soll am Ende der neuen Seebrücke, die zurzeit gebaut wird, aufgestellt werden - je nach den Gezeiten von Wasser umspült. dpa / flo

Artikel erschienen am 28. Feb 2003